Lärmende Nachbarn, spielende Kinder, Müll oder Parkplätze sind Themen, die in Wohnanlagen Streit auslösen können. In Graz-Eggenberg gibt es nun ein Pilotprojekt, mit dem Konflikte über eine Siedlungsbetreuung gelöst werden sollen.
Sozialarbeiter und Mediatorin im Einsatz
Das Siedlungsbetreuungsprojekt in Graz-Eggenberg ist derzeit steiermarkweit das einzige einer Wohngenossenschaft, betreut wird es von der Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Ennstal. Ein Sozialarbeiter und eine Mediatorin kümmern sich um die Konfliktfälle.
Lösungen kommen von den Bewohnern
Etwa der Fall eines Bewohners, der sich über einen längeren Zeitraum vom Lärm in der darüber liegenden Wohnung gestört fühlte und deshalb die Siedlungsbetreuer um Unterstützung bat.
"Wir haben mit der anderen Partei zunächst alleine gesprochen, haben uns die Problemsicht von dieser Seite angehört und haben dann ein gemeinsames Gespräch gestartet", erzählt der Sozialarbeiter Janosch Hartmann. "Dann erzählt jeder aus seiner Sicht und auf einmal ist der Moment da gewesen, wo es gegenseitiges Verständnis gegeben hat. Sie verstehen dann, dass oben mehrere Kinder da sind, dass die Betroffenen darunter sehr gerne Ruhe haben, vor allem am späten Abend und in der Nacht. Dann sind die Lösungen von den Leuten gekommen, mit kleiner Unterstützung von uns", ergänzt die Mediatorin Magdalena Liebethat.
Spielregeln des Zusammenlebens
Für die beiden Siedlungsbetreuer ist die Konfliktlösung im Einzelfall nur eine Schiene ihrer Arbeit. Die zweite Schiene betrifft die gesamte Wohnanlage; in Hausversammlungen werden Themen gesammelt, die alle beschäftigen, sagt Hartmann: "Da ging es um den Umgangston, um Benehmen, um Lärm, was ist ok und was passiert, wenn es mir reicht. Das nächste Thema wird sein, wie wir den Hof nutzen wollen, da spielt auch das Thema hinein, wie gehe ich mit spielenden Kindern um, schreie ich sie an, gehe ich zu den Eltern."
Die Bewohner setzen dann gemeinsam mit den Siedlungsbetreuern Spielregeln zu einzelnen Themen des Zusammenlebens auf, "die dann als Zusatz zur Hausordnung implementiert werden sollen", erklärt der Sozialarbeiter.
Konflikte partnerschaftlich lösen
Viele Bewohner seien am Anfang zwar skeptisch gewesen, hätten dann aber gesehen, dass sie etwas zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen können, erklärt Mediatorin Liebethat. Sie und ihr Kollege geben die Themen nicht vor, sie kommen ausschließlich von den Bewohnern selbst und werden dann in kleinen Arbeitsgruppen weiterbehandelt. Ziel ist es, Konflikte partnerschaftlich zu lösen und das nachbarschaftliche Zusammenleben zu verbessern.
Nachbarschaft muss nicht Freundschaft sein
"Ich sag' den Leuten meistens, dass man nicht Freund sein muss, das ist für mich nicht die Definition von Nachbarschaft. Aber gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme sind ganz wichtig, wenn man auf so engem Raum zusammenwohnt, wie in einer Wohnhausanlage", sagt Sozialarbeiter Hartmann.
Vorbild für das Grazer Pilotprojekt sind übrigens ähnliche Projekte in Deutschland, Luxemburg, der Schweiz, aber auch in Wien.