Auf gute Nachbarschaft

Viele Menschen – das bedeutet viele unterschiedliche Meinungen. Und in einer Wohnsiedlung bedeutet das auch viele unterschiedliche Lebensformen. Egal ob kulturelle Vielfalt oder Generationenunterschiede, hier treffen unterschiedlichste Vorstellungen aufeinander und nicht selten können Konflikte entstehen. Aber: Eine gute Nachbarschaft kann man aufbauen. Wie jede Beziehung wächst und gedeiht sie, wenn man sie nur richtig pflegt. Ein Siedlungsfest kann dabei oft den ersten Anstoß geben, weiß die Mediatorin und Siedlungsbetreuerin der Wohnbaugruppe ENNSTAL Magdalena Liebethat.

Eine wichtige Voraussetzung für gute Nachbarschaft ist, die NachbarInnen zumindest ein Stück weit zu kennen. Das kann schon beim Einzug beginnen, wenn man sich den anderen BewohnerInnen vorstellt oder einander im Stiegenhaus grüßt.. Oder aber bei einem Siedlungsfest! Und Anlässe für ein Fest gibt es viele! „Ein Sommerfest, eine Fahrradentrümpelung im Rahmen eines Festes, ein Kindergeburtstag oder ein Lichterfest im Herbst“, erzählt Magdalena Liebethat aus Erfahrung.„Damit ein Fest gelingt, braucht es BewohnerInnen, die mitgestalten, Ideen einbringen, die Kommunikation mit den MitbewohnerInnen suchen, Aufgaben übernehmen und organisieren.“

Checkliste für Ihr Siedlungsfest

Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst, damit Ihre Veranstaltung ein Erfolg wird! 

Gibt es Platz?

Verfügt die Siedlung über einen Platz, einen Innenhof oder über eine Grünfläche, ist die Auswahl eines geeigneten Ortes schnell gefunden. Dabei ist allerdings auch wichtig zu beachten, dass sich nicht teilnehmende NachbarInnen nicht gestört fühlen dürfen. Sind bereits ausreichend Sitzgelegenheiten vorhanden oder muss man sich um Tische und Stühle separat kümmern?

Gibt es Geld?

Im Rahmen einer Nachbarschaftsaktivität wie einem Siedlungsfest können immer wieder Kosten anfallen. Förderungen oder Sponsoring bieten Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Die Wohnbaugruppe ENNSTAL unterstützt Siedlungsfeste regelmäßig, der Zuschuss ist über den jeweils zuständigen Hausverwalter anzusuchen. 

Gibt es rechtliche Einschränkungen?

Nachbarschaftsaktionen sind keine öffentlichen Veranstaltungen im Sinne des Steiermärkischen Veranstaltungsgesetzes 2012. Das heißt, sie sind weder melde- noch anzeigepflichtig, müssen aber folgenden Voraussetzungen entsprechen:

  • Das Fest  findet im Siedlungsgebiet statt, wie z.B. im Innenhof, auf dem Siedlungs-Spielplatz oder in der Siedlungsstraße
  • Die Einladungen gehen ausschließlich an die BewohnerInnen der Siedlung, es findet keine öffentliche Bewerbung statt.

Aber Achtung!
Wenn Sie planen, Musik bei Ihrem Fest zu spielen, müssen Sie dies spätestens 3 Tage davor bei der AKM melden. Das geht einfach und online!

Brauchen wir eine Versicherung?

Trotz eingehender Vorkehrungen sind Hoppalas beim Aufbauen oder unerfreuliche Sachschäden beim gemeinsamen Gestalten oft nicht ausgeschlossen. Ein richtiger Versicherungsschutz kann hier Ärger und hohe Kosten ersparen, deshalb wird dem Organisationsteam eines Nachbarschaftsfests empfohlen eine Veranstalterhaftpflichtversicherung abzuschließen. Diese liegt bei circa € 50,- und kann für den Zeitraum der Aktivität mit einer einmaligen Zahlung abgeschlossen werden. Informationen über den genauen Versicherungsrahmen holt man am besten bei der eigenen Haushaltsversicherung über eine persönliche Beratung ein!

Wie laden wir die Gäste ein?

Bei der Einladung ist Fingerspitzengefühl gefragt: Persönlich bei den Nachbarn klingeln oder ein Poster im Stiegenhaus anbringen? Ein guter Tipp ist, allen NachbarInnen eine persönliche Einladung in den Briefkasten zu stecken. Machen Sie in der Einladung auch auf eine „Ich bringe mit“-Liste am Schwarzen Brett aufmerksam, das hilft bei der Organisation von Speisen und Getränken – und sie bekommen außerdem einen Überblick, wer tatsächlich teilnehmen wird. Das Fest ist außerdem ein guter Anlass, um mit den MitbewohnerInnen ins Gespräch zu kommen: Treffen Sie die eine oder andere Person in der Siedlung, können Sie höflich fragen, ob Sie auch teilnehmen wird.

Der große Tag!

Eine Checkliste kann helfen, damit man am großen Tag nichts vergisst! Es empfiehlt sich schon einige Tage davor einen Blick darauf zu werfen, damit alles zeitgerecht organisiert werden kann und dem guten Gelingen nichts im Weg steht!

  • Sind die Tische und Bänke da?
  • Ist genügend Geschirr und Besteck vorhanden?
  • Sind die Speisen angerichtet und die Getränke gekühlt?
  • Falls notwendig: Sind Strom- und Wasseranschlüsse in der Nähe?
  • Einen letzter Wettercheck und los geht’s!

So ein Siedlungsfest ist mit einigem Organisationsaufwand und Disziplin verbunden, doch das Ergebnis wird es wert sein, weiß Magdalena Liebethat aus Erfahrung: „Wenn sich bei einem Fest Nachbarn treffen, die sich noch nie gesehen bzw. gesprochen haben und diese sich danach im Stiegenhaus oder auf der Straße begegnen, dann wird auf einmal gegrüßt! Das reicht schon, damit Kommunikation entstehen kann.“ Und ist man einmal ein eingespieltes Team, erledigt sich das nächste Fest wie von selbst!

Fotocredit: GBV Steiermark/Servicebüro zusammen>wohnen<