Gemeinsam auf das schauen, was uns gemeinsam gehört

In Wohnsiedlungen teilen wir uns vieles, wie beispielsweise Stiegenhäuser, Wege, Grünflächen, Müllplätze oder Parkbereiche. Doch genau dort, wo niemand allein verantwortlich ist, entstehen oft Missverständnisse, Ärger oder das Gefühl, dass sich „keiner zuständig fühlt“.
Zusammen wohnen heißt mehr als Tür an Tür zu leben. Denn die Verantwortung für eine Wohlfühlatmosphäre bereits am Weg zu den eigenen vier Wänden hat jede:r einzelne Bewohner:in. Es gilt: Was allen gehört, braucht auch die Aufmerksamkeit aller.
Grün- und Außenflächen – geteilter Raum, unterschiedliche Bedürfnisse
Die Grünflächen in Siedlungen werden sehr überlegt und mit viel Liebe angelegt. Sie sollen allen Freude bereiten und auch entsprechend genutzt werden. Gemeinschaftsgärten, Innenhöfe oder Spielbereiche sind Orte der Erholung, der Begegnung und des Miteinanders. Gleichzeitig treffen hier verschiedene Nutzungen aufeinander: spielen, entspannen, durchgehen, verweilen. Rücksicht bedeutet hier nicht Verzicht, sondern Abstimmung.
Damit das funktioniert, gilt:
- Freiflächen entsprechend ihrer „Widmung“ nutzen
- Gegenseitig auf unterschiedliche Bedürfnisse Rücksicht nehmen
- Sich dessen bewusst sein, dass kein Bereich „nur für mich“ da ist
Das Stiegenhaus – Gefahr in Verzug
Das Stiegenhaus ist Visitenkarte, Fluchtweg und täglicher Treffpunkt zugleich. Trotzdem wird es gerne als kurz- und manchmal sogar langfristiger Abstellplatz genutzt: Kinderwagen, Fahrräder, Kartons oder Möbelstücke stehen im Gang und werden dort nicht nur zum Ärgernis der Nachbar:innen, sondern vor allem zur Gefahr für einen selbst und andere, denn
- Fluchtwege werden blockiert
- Barrierefreiheit wird eingeschränkt
- Der Anblick von Gerümpel, verdorrten Pflanzen oder schmutzigen Schuhen ist eine Zumutung für die Nachbar:innen
Ein aufgeräumtes Stiegenhaus ist keine Frage von Strenge, sondern von Sicherheit und Rücksicht.
Müllinseln – kleine Fläche, großes Ärgerpotenzial
Kaum ein Ort sorgt für so viel Unmut wie die Müllinsel. Falsch getrennte Abfälle, Sperrmüll neben Containern oder überfüllte Tonnen betreffen immer die gesamte Hausgemeinschaft.
Die Folgen:
- unangenehme Gerüche
- zusätzliche Kosten
- ein unschönes Erscheinungsbild
Mülltrennung ist keine Schikane, sondern ein gemeinsamer Beitrag zu Sauberkeit und fairen Betriebskosten. Wer unsicher ist, hilft sich und anderen mit einem kurzen Blick auf die Trennhinweise – oder einer Nachfrage, statt durch Nachlässigkeit für Ärger zu sorgen.
Parkplätze & Verkehrsflächen
Auch Park- und Verkehrsflächen zählen zum gemeinschaftlichen Eigentum. Falsch abgestellte Fahrzeuge, blockierte Zufahrten oder zweckentfremdete Stellplätze sorgen schnell für Frust.
Klare Regelungen und deren Einhaltung helfen, Konflikte zu vermeiden – und sparen allen Zeit, Nerven und Diskussionen.
Geteilte Flächen, gemeinsame Verantwortung
Allgemeinflächen, ob Garten, Keller, Waschküche, Fahrradraum oder Gemeinschaftsräume funktionieren nur dann gut, wenn sie auch so behandelt werden.
Voraussetzung dafür ist, dass:
- sich alle dessen bewusst sind, dass ihr Wohnraum bereits beim Betreten der Allgemeinfläche beginnt
- jeder seine Unordnung und seinen Schmutz ohne Aufforderung beseitigt
- Grünflächen entsprechend ihrer „Widmung“ respektieren und nutzen
- Allgemeinflächen nicht von einzelnen Personen dauerhaft „privatisiert“ werden
Miteinander reden statt übereinander ärgern
Und sollte doch einmal Verwunderung oder gar Ärger aufkommen: Zettel im Stiegenhaus, stille Verärgerung oder Beschwerden über Dritte sind hier nicht der ideale Lösungsversuch. Ein respektvolles Gespräch löst mehr als jeder anonyme Hinweis. Denn oft sind Probleme keine Absicht, sondern schlicht Unwissen.